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24.01.2017

Bericht zum 1000. Ausgabetag der Biedenkopfer Tafel

Tausendster Ausgabetag bei der Biedenkopfer Tafel

Die Kunden verstauen Brot, Wurst, Obst und Gemüse in ihren mitgebrachten Taschen. Eine Frau bittet: „Ich möchte gerne Käse.“ Die Mitarbeiterin hinter der Ladentheke erfüllt den zusätzlichen Wunsch gerne, solange das Sortiment es hergibt. Was ein wenig wie eine Szene im Tante-Emma-Laden aus früheren Zeiten wirkt, ist der Ausgabealltag in der Biedenkopfer Tafel. Bereits zum 1.000sten Mal wurden finanziell bedürftige Menschen hier mit Nahrungsmitteln versorgt. Lebensmittel retten und gleichzeitig den Menschen helfen, die an der Armutsgrenze leben – mit diesen Eckpfeilern der Tafelphilosophie gründeten vor fast elf Jahren engagierte Bürger und Institutionen den Verein Biedenkopfer Tafel.

 

Wachsender Bedarf erkennbar

Aus der Kundenstatistik lässt sich der wachsende Bedarf an diesem Angebot ablesen. Waren es 2007 noch 400 Tafelkunden, stieg die Zahl bis zum Jahr 2016 auf 780 Personen, darunter 250 Kinder. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum mehr als 116.000 Lebensmittelpakete ausgegeben, deren Größe sich nach der Anzahl der Familienmitglieder richtet. „Geht man niedrig geschätzt von einem durchschnittlichen Gewicht von fünf Kilogramm pro Paket aus, sind das annähernd 600 Tonnen Lebensmittel, die auf diesem Weg vor der Vernichtung gerettet wurden“, rechnet der erste Vorsitzende Helmut Kretz aus. Ehrenamtliche Fahrer holen die Ware in Lebensmittelmärkten und Bäckereien im Wirkungskreis der Biedenkopfer Tafel ab. Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern, Nahrungsmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft oder abgelaufen ist, oder auch Ware, die aus dem Sortiment genommen wird. „Die Lebensmittel sind qualitativ einwandfrei, genügen aber den Kundenansprüchen nicht mehr und würden daher im Müll landen“, sagt Kretz. Die Tafel bilde hier eine Brücke zwischen Wegwerfgesellschaft und steigender Armut.

 

Ehrenamtlich Mitarbeitende freuen sich über weitere Mitstreiter

Dafür setzen sich zurzeit etwa 100 Personen ehrenamtlich ein. Was die Fahrer abgeholt haben, wird zunächst vorsortiert. „Früher haben wir den Fahrern noch beim Ausladen geholfen“, erinnert sich Ernestine Krug an die bescheidenen Anfänge der Tafel in einer Doppelgarage in der Kottenbachstraße, lange vor dem Umzug in die größeren Räume im Auweg 2. Das sei in Anbetracht der großen Lebensmittelmengen heute nicht mehr möglich. Trotzdem stellen die freiwillig Engagierten fest, dass die Menge der gespendeten Lebensmittel nicht in gleichem Maße steigt, wie die Nachfrage. Vor allem durch nach Deutschland geflüchtete Menschen ist der Kundenstamm deutlich angestiegen. Aber auch eine wachsende Altersarmut wird bei den Tafeln spürbar. Nach Angaben der bundesdeutschen Tafel sind inzwischen 17 Prozent der Kunden Rentner. Das spiegelt sich auch in dem ARD-Beitrag: „Die unsichtbaren Alten“ wieder, in dem eine Rentnerin dankbar über das Angebot der Tafel sagt: „Das hilft mir über die ganze Woche“ Vor allem freue sie sich über frisches Obst und Gemüse, das sie sich sonst nicht kaufen könne. Für die ehrenamtlich bei der Tafel Mitarbeitenden bedeuten die wachsenden Kundenzahlen, dass innerhalb der gleichen Öffnungszeiten mehr Menschen bedient werden müssen. Sie freuen sich daher jederzeit über Personen, die sich gemeinsam mit ihnen einmal alle zwei Wochen im Sortier-, Ausgabe- oder Fahrdienst engagieren möchten.

 

Planung, Organisation und spontanes Zupacken sind nötig

Dass für die reibungslosen Abläufe in der Tafel neben Planung, Organisation und fachlichem Management auch spontanes Zupacken nötig ist, zeigt ein abschließender Blick in den Sortierraum. Dort geht es auch am 1.000sten Ausgabetag betriebsam zu. Kurz vor „Ladenschluss“ an diesem Donnerstag kommt noch eine Lieferung. „Eben hatten wir noch zu wenig Lebensmittel, jetzt sind es zu viele“, sagt Jürgen Plöger. Nun müssen Champignons, Salat und Bananen zügig umgepackt werden, um noch in die Ausgabestellen der Tafel in Bad Laasphe, Breidenbach, Dautphe und Steffenberg geliefert zu werden. Denn bis zum nächsten Ausgabetag am kommenden Dienstag würde die frische Ware verderben.

 




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